Fäden ziehen nach OP – wann ist es so weit?
Wann der Fadenzug nach plastischer OP erfolgt, ob es weh tut, was selbstauflösende Fäden anders machen und wie Du Dich auf den Termin vorbereitest.
"Wann werden die Fäden gezogen?" – eine der häufigsten Fragen nach einer plastischen OP. Hier findest Du die ehrliche Antwort für jede Körperregion, wie der Fadenzug abläuft, ob es weh tut und worauf Du in den Tagen vorher achten solltest.
Warum die Wartezeit unterschiedlich ist
Die Haut heilt nicht überall gleich schnell. Gut durchblutete Regionen wie das Gesicht sind nach wenigen Tagen stabil, während mechanisch belastete Bereiche (Bauch, Rücken, über Gelenken) deutlich länger brauchen. Werden Fäden zu früh entfernt, kann die Narbe aufreißen oder breiter werden.
Übersicht: Fadenzug nach Körperregion
| Region | Zeitpunkt | Besonderheit |
|---|---|---|
| Augenlider | 4–6 Tage | feine Fäden, sanft |
| Gesicht (Lifting, Ohren) | 5–7 Tage | zügiger Zug für unauffällige Narbe |
| Hals | 7 Tage | etwas später wegen Bewegung |
| Brust (Vergrößerung, Straffung) | 10–14 Tage | über mehrere Termine möglich |
| Bauch (Straffung, Nabel) | 12–14 Tage | Spannung am höchsten |
| Rücken, Schulter | 12–14 Tage | mechanisch belastet |
| Arme, Beine | 10–14 Tage | je nach Spannung |
| Intimchirurgie | meist resorbierbar | kein klassischer Fadenzug |
| Haartransplantation FUT | 12–14 Tage | Streifen-Naht |
Die genauen Zeiten gibt immer der Operateur vor – er kennt die individuelle Wundheilung und die verwendete Nahttechnik.
So läuft der Fadenzug ab
- Begrüßung und Wundinspektion
- Pflasterverband wird entfernt
- Narbe wird mit Desinfektionsmittel gereinigt
- Eigentlicher Fadenzug
- Mit einer kleinen Schere wird der Faden direkt unter dem Knoten abgeschnitten
- Mit einer feinen Pinzette wird er aus der Haut gezogen
- Pro Stich: 1–2 Sekunden
- Nachversorgung
- Erneute Desinfektion
- Steri-Strips (Wundpflasterstreifen) für weitere 5–10 Tage
- Empfehlungen für die Narbenpflege
Gesamtdauer: je nach Narbenlänge 5–20 Minuten.
Tut es weh?
Die ehrliche Antwort: meistens nicht. Es zieht und brennt für 1–2 Sekunden pro Stich, dann ist es vorbei. Viele Patientinnen und Patienten sagen hinterher: "Das war ja gar nichts."
Empfindlich kann es sein bei:
- Sehr eng gesetzten Fäden
- Krusten, die mitziehen
- Stellen mit besonders dünner Haut (Augenlider, Hals)
Tipps gegen Schmerzen:
- EMLA-Creme 30–60 Minuten vorher auftragen (in der Apotheke rezeptfrei)
- Ibuprofen 30 Minuten vorher (nur wenn vom Operateur freigegeben)
- Tief durchatmen während des Zugs
- Nicht hinschauen – senkt die Anspannung
Was Du in den Tagen vorher beachten solltest
- Nicht an Krusten kratzen – sie fallen von selbst ab
- Wunde sauber und trocken halten
- Duschen nach Freigabe (oft ab Tag 3–5), nicht baden
- Pflaster wie verordnet wechseln
- Reibung vermeiden (z.B. enge Kragen bei Hals-OPs)
Selbstauflösende Fäden – die Alternative
Resorbierbare Fäden (z.B. Vicryl, Monocryl) lösen sich enzymatisch im Gewebe auf. Verwendet werden sie vor allem:
- für innere Nähte (Subkutannaht, Muskelnaht)
- bei Kindern (kein Stress mit Fadenzug)
- in der Intimchirurgie (schwer zugänglich)
- bei kleinen Gesichtseingriffen
Auflösungszeit: 60–120 Tage, je nach Material. Manchmal werden Faden-Enden, die durch die Haut "kommen", beim Kontrolltermin abgeschnitten – das ist normal und schmerzlos.
Anzeichen, die einen früheren Termin nötig machen
Kontaktiere die Klinik, wenn vor dem Fadenzug-Termin:
- die Naht rot, heiß, geschwollen wird
- Eiter oder trübes Sekret austritt
- Fieber auftritt
- ein Faden sich gelöst hat und die Wunde klafft
- starke neue Schmerzen auftreten
Frühzeitiges Reagieren verhindert Infektionen und breite Narben.
Was kommt nach dem Fadenzug?
- Steri-Strips weitere 5–10 Tage tragen
- Narbenpflege beginnen (Silikongel, sanfte Massage) – meist ab Tag 14–21
- Sport-Freigabe je nach Eingriff
- Sonne und Solarium für mindestens 6–12 Monate auf der Narbe vermeiden
Mehr zur richtigen Pflege findest Du im Artikel zur Narbenpflege nach plastischer OP.
Fazit
Wann Fäden nach einer OP gezogen werden, hängt von der Körperregion ab: Gesicht nach 5–7 Tagen, Brust und Bauch nach 10–14 Tagen, Rücken bis 14 Tagen. Der Zug selbst ist kurz und meist nicht schmerzhaft, mit EMLA-Creme oder Ibuprofen lässt sich auch das mildern. Wichtig ist, sich an den Termin des Operateurs zu halten – zu früher Zug riskiert Narben-Probleme, zu später kann zu Fadeneinwachsungen führen.
Häufige Fragen
Medizinische Quellen
Die Inhalte dieses Artikels basieren auf aktuellen Leitlinien und Fachpublikationen deutscher und internationaler Fachgesellschaften.
- [1]Postoperative Wundversorgung – S3-LeitlinieAWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften)
- [2]Patienteninformationen Plastische ChirurgieDeutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC)
- [3]Lymphödem nach operativen EingriffenRobert Koch-Institut (RKI)
Hinweis: Dieser Ratgeber ersetzt kein persönliches Beratungsgespräch mit einem Facharzt.
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